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 Betreff des Beitrags: Airbrush-Ausblas-Tool im Eigenbau
BeitragVerfasst: 20.04.2018, 23:55 
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Registriert: 05.11.2008, 17:58
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Hi Leute,

ab und an stellt man nach dem Zusammenbau eines Modells fest, dass sich irgendwelche Krümel oder etwas Staub (un-)schön sichtbar im Inneren des Modells niedergelassen hat. Aber deshalb nochmals alles auseinander bauen oder gar mit einem Draht ins Modell tauchen und z.B. an Scheiben Kratzer hinterlassen (was ich früher tatsächlich nicht selten getan habe)?
Sofern man einen Airbrush-Kompressor sein Eigen nennt, wäre hier eine Ausblaspistole in der entsprechenden Größe ganz hilfreich.
Ganz nebenbei kann man eine solche sogar bei der Reinigung einer Airbrush-Farbpistole einsetzen - zumindest finde ich es einfacher, damit nach einer größeren Grundreinigung den "Nadelkanal" wieder trocken zu legen. ;-)

Ein Markenhersteller bietet eine reine Airbrush-Ausblaspistole an; sieht aus wie eine normale Airbrush, hat aber keine Öffnung für Farbe und kann damit auch nichts anderes als reine Kompressorluft zu pusten. Vorne werden dann "Düsen" in verschiedenen Stärken einfach aufgesteckt(!), die extrem handelsüblichen Injektionsnadeln ähneln (und wohl faktisch auch nichts anderes sind). Diese Ausblaspistole ist jetzt gar nicht mal sooo teuer, für manch einen mag sich das Gerät lohnen, aber so extrem oft brauche z.B. ich die nun auch wieder nicht.

Und eben aufgrund dieser Injektionsnadeln (und der ehrlich gesagt horrenden Preise für die "speziellen Ausblasnadeln") bin ich einen anderen Weg gegangen:
Ich kannte schon lange Einwegspritzen mit Schraubkopf für die Injektionsnadeln, ich wollte also so eine Spritze kaufen und den Kopf irgendwie so herrichten, dass ich ihn auf meinen Pistolen mit abschraubbarer Düsenkappe bei Bedarf temporär befestigen kann. Dieser Spritzenkopf hätte nämlich den Vorteil, dass die Ausblasnadeln nicht vorne weggeschossen werden können!
Die Apotheke in meinem Ort hatte aber keine solche Spritze auf Lager. Stattdessen wurde mir ein Venenpunktionsbesteck (= Flügelkanüle = Butterfly-Nadel...) angeboten, in meinem Fall "Venofix® A 0,8/G21 Grün". Welche anderen Hersteller vergleichbare Flügelkanülen im Programm haben, weiß ich an dieser Stelle nicht. Ich erwähne dieses Produkt dennoch auch deshalb ganz bewusst, weil die Nadelstärke für den Einsatz bei Modellen sehr gut passt und v.a. weil hier eine Verschlusskappe hinten am Schlauchende aufgeschraubt ist, die sich als weit geeigneter erwiesen hat, als der ursprünglich angedachte Spritzenkopf gewesen wäre. Etwas schade ist hier, dass diese Kappe aus Weichplastik ist, etwas härterer Kunststoff wäre mir einen Tick lieber gewesen, auf manchen anderen medizinischen Teilen (z.B. Infusionsschläuchen) gibt es die, das sind dann die klaren/transparenten Kappen. Andererseits lässt sich in die weiche Kappe besser ein benötigtes, kleines Gewinde schneiden, das allerdings nicht sehr haltbar ist. Diese Kappe also allein auf die Airbrush wieder abnehmbar aufzuschrauben, wie ursprünglich geplant, ging daher nicht.

Um mir nun also mein Ausblastool zu bauen, habe ich mir eine Airbrush-Düsenkappe in der Bucht solo recht günstig besorgt (und das sogar bei einem einheimischen Anbieter) - na gut, gab es nur im Set mit Düse und Nadel, kann man ja aber immer als Ersatzteile brauchen. Diese Düsenkappe habe ich gleich mal tüchtig auf 1,5 mm aufgebohrt.
Den Verschlusskopf der Flügelkanüle habe ich an dem Ende, das innen in der aufgeschraubten Nadel (oder hier eben dem Schlauchende) steckt, ebenfalls aufgebohrt, dieser ohnehin schon hohle "Steckzylinder" bleibt dabei unbedingt erhalten. Das hintere (offene) Ende habe ich nun auf etwas weniger als den Durchmesser des Gewindes für die Nadelschutzkappe aufgebohrt, gerade so tief dass dieses Gewinde in die Verschlusskappe passt, welche dann bündig mit der Düsenkappe abschließt. Dieses Nadelschutzkappengewinde schneidet sich selber in die Plastik-Verschlusskappe, wenn man sie mit etwas Druck aufschraubt. Da aber das Plastik, wie schon angedeutet, leicht ausfranst, habe ich die metallene Düsenkappe mit aufgeschraubter Plastikkappe mit dem Feuerzeug kurz aufgeheizt und die Plastikkappe nochmals ganz leicht festgezogen. Jetzt saß sie bereits extrem fest auf der Düsenkappe. Trotzdem habe ich sie noch mit etwas Sekundenkleber gesichert; ganz ängstliche Zeitgenossen können das Chrom der Düsenkappe anfräsen, auf das hervorscheinende Messing kleine Widerhaken aus Zinn auflöten und alles mit Heißkleber ummanteln, das sollte definitiv bombenfest halten (mache ich vielleicht sogar auch noch, nur um etwaige Zweifler zu besänftigen).

Nun kann dieser Ausblastool-Kopf auf jede Airbrush-Pistole aufgeschraubt werden, die einen solchen Düsenkopf verwendet - bei mir No-Name Pistolen, es gibt aber auch Markennamen, die ähnliche Teile verwenden; bei Herstellern mit völlig anderen Düsenköpfen ließe sich aber bestimmt auch eine adäquate Konstruktion erstellen.
Statt der Flügelkanüle mit Schlauch (von der ich übrigens umgehen die Flügel entfernt habe) lässt sich nun eben auch jede erforderliche Injektionsnadel sicher einschrauben. Auf nicht zu starken Luftdruck sollte man trotzdem achten, es gibt überall Grenzen in der Betriebssicherheit...

Übrigens ist bei diesem Venenpunktionsbesteck noch ein Schutzröhrchen auf der Nadel drauf, das sogar beidseitig offen ist. Dieses passt, wie schon erwähnt, super von hinten in den Nadelkanal vieler Airbrush-Pistolen, wo man aber trotzdem nur durch den netten Schlauch überhaupt erst hin kommt; mit dem Röhrchen drauf richtet ganz nebenbei die Nadel selber keinen Schaden an (wer mag, kann diese natürlich sowieso auch immer gleich abschleifen und stumpf machen). Mit dieser (mit Schutzröhrchen gesicherten) Nadel habe ich bereits bei einem wichtigen Modell einen richtig störenden Krümel, der sich hartnäckig zwischen Heckscheibe und Hutablage geklemmt hat, weg bekommen (okay war 1:43 und ich konnte durch offene Türfenster rein, aber mit anderem Werkzeug war ich bis dahin trotzdem erfolglos geblieben).
Aus Modellbahnlitze-Isolierung oder dünnem Schrumpfschlauch lassen sich zudem ergänzend lange, dünne und zugleich flexible Nadelaufsätze herstellen, mit denen man auch gezielt tief in H0 Modelle vordringen kann, sofern sie von der Bauart her irgendwelche Lücken und Öffnungen zum Innenraum haben.

Ach ja, die Verwendung einer ganz normalen Double-Action Airbrush-Pistole mit diesem kleinen Selbstbauwerkzeug hat noch einen netten Vorteil: Um den Luftdruck an der Ausblasnadel bei Bedarf kurzfristig zu mindern, braucht man nicht am Kompressor bzw. Druckminderer zu spielen, sondern drückt einfach auf den "trigger" (Luft-/Farbzufuhrhebel), der "Überdruck" wird über den Farbenkanal abgeleitet.

Der langen, komplizierten Rede kurzer Sinn: Hier ein nun paar Bilder, die eigentlich fast schon selbsterklärend sein sollten...

Bild Bild Bild Bild Bild

Ich hoffe, Ihr könnt mit meinen Ausführungen etwas anfangen.
Vielleicht habt Ihr ja ergänzende Ideen, gerade wenn es um Airbrush-Pistolen geht, die deutlich andere Düsenkopfsysteme verwenden.

_________________
Viele Grüße von der Südbaar -
Ralf
...Bei mir sind übrigens Theorie und Praxis bestens vereint...! O.o


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